Wir verabschiedeten uns von Camiguin, unserem gemütlichen Hüttchen im Garten und dem Team des Tauchshops. Die letzte Woche arbeiten wir in Calaanan!
Sie ist vollgepackt mit Terminen und vor allem die Studenten der 10. Und 12. Klasse beschäftigen uns sehr. Die ersteren werden in die verschiedenen Senior High Klassen übertreten und im weitesten Sinne ist die Senior High School ähnlich wie eine Lehre, alledings ohne viel Praktisches und immer noch sehr generalisiert.
Ein Beispiel: z.B die «allgemeine akademische» Richtung hat folgende Fächer im letzten 12. Jahr:
Persönlichkeitsentwicklung
Verständis von Kultur, Gesellschaft und Politik
Sport und Gesundheit (primär Tanzen)
Englisch für akademische und berufliche Zwecke
Praktische Forschung (etwas zu einem Thema recherchieren)
«creative nonfiction» - lesen von Texten
Trends, Netzwerke und kritisches Denken im 21. Jahrhundert
Einführung in Weltreligionen und Weltanschauungen
Allgemeine Wirtschaft – generelle Info zu Produkten des Landes, Arbeit, Kapital usw.
Medien- und Informationskompetenz
Zeitgenössische philippinische Kunst aus den Regionen
Filipino (Sprache)
Untersuchungen, Recherchen
Unternehmertum
Schnuppertage, Karriereberatung
Nahrungsmittel und Getränke
Wir sollten also mit und für die 12. Klässler entscheiden, ob sie eine College-Ausbildung meistern würden und welche Richtung für sie gut wäre.
So nett die oben aufgeführten Fächer sind – für ein Studium nützen eigentlich nur Englisch, Research und Texte lesen und verstehen etwas. Interessanterweise sind es oft auch diese Fächer, in denen die Noten eher tief sind. Wenigstens gibt es von der 11. Klasse Mathematik-Noten und manchmal von wissenschaftlichen Fächern. Nebst guten Noten verlangen wir von den 16-Jährigen, dass sie sich bei der Stadt für eine Stipendium bewerben und in der Universität einen Einstufungstest machen (auch wenn ihr Lieblingskurs dort nicht angeboten wird, es soll als Erfahrung dienen und eine letzte Alternativmöglichkeit bieten). Da wir momentan so viele College-Anwärter haben, sind wir auf zusätzliche Unterstützungen für die Schüler oder das Gratis-Studium an der Uni angewiesen.
| Schüler der 10. Klasse mit Eltern |
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| zukünftige College-Studenten |
Am Dienstag finden zuerst die 25 Interviews mit den 10.Klässlern statt: jeweils der Student mit einem Elternteil entweder bei Mäge und Aiza oder Keno und mir. Nach einer kurzen Mittagespause geht es um 13 Uhr weiter mit den zukünftigen College-Studenten und wir werden mit den 44 Gesprächen gerade um 16 Uhr fertig. Ich empfinde die Interviews als emotionale Berg – und Talbahn: die Studenten, die sich weder für ein zusätzliches Stipendium noch für den Universitätstest angemeldet haben und somit auch indirekt beweisen, dass sie Anweisungen nicht befolgen können oder wollen und sie nur mit Minimal-Engagement weiterkommen möchten. Und dann die puren Gegenteile: aktiv, initiativ und voller Tatendrang für ihr Studium. Persönlich haben mich die zwei Studentinnen für die Ausbildung zur Heilpädagogin und zur Sozialarbeiterin begeistert. Während früher sehr viele PolizistInnen werden wollten, sind es diesmal nur zwei! Viele möchten in den Lehrerberuf oder interessieren sich für eine kaufmännische Ausbildung.
In diesem Jahr werden nur 7 College-Studenten ihre Ausbildung abschliessen, aber etwa 40 neu mit dem Studium anfangen. In den nächsten Jahren sollten sich die Anzahl Abschlüsse und Eintritte dann aber etwa die Waage halten!
Die nächsten zwei Tage machen wir Hausbesuche bei Familien, die um eine Batulong-Unterstützung gebeten haben. In zwei Fällen müssen wir den Antrag zurückweisen, weil die Eltern zu viel verdienen. Wie es der Zufall wollte, war der Fahrer des Tricycles ein Verwandter von einer Familie, die wir suchten, und konnte uns zeigen, wo sie wohnen. Die Adresse stimmte aber nicht mit den Angaben auf der Anmeldung überein- in Wahrheit haben sie ein schönes, zweistöckiges Haus! Nur einer der Teenager-Söhne war dort und im Gespräch zeigte sich, dass auch zum Einkommen grosszügig gelogen worden war. Wir erleben solche Betrügereien zwar selten, aber es gibt sie leider doch immer wieder.
| alleinerziehender Vater |
Wir schliessen unsere Arbeitswoche mit einer kleinen Sitzung ab, in der wir mit den Mitarbeitern eine Liste erstellen, worauf wir nächstes Jahr – und schon dieses Jahr beim ersten Meeting mit den zukünftigen College-Studenten – achten müssen. Keno und Aiza müssen lernen, Informationen über die in den Colleges angebotenen Kurse zu sammeln und Up to date zu sein in Bezug auf Anmeldefristen und verschiedenen alternativen Möglichkeiten neben einem Studium. Zusammen mit ihnen werden wir uns dann im nächsten Frühjahr noch besser mit den einzelnen Studenten auseinandersetzen und klarer kommunizieren, dass ein Ignorieren unserer Bedingungen für ein Collegestudium nicht akzeptiert wird.

jetzt ist die Strasse vor dem Batulong-Center sehr breit. Wofür ist nicht klar, da es keine Durchfahrt für Verkehr ist.
Am Samstag fliegen wir zurück in die Schweiz, wo wir jetzt das viele Grün, die frische Luft und die wunderbare Ruhe geniessen. So spannend die Philippinen sind, die Schweiz ist ein wunderbarer Ort zum Leben!

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