Auf den Philippinen zu arbeiten bedeutet immer auch, sich
auf die lokale Kultur einzulassen – mit all ihren schönen, aber auch
herausfordernden Seiten. Natürlich heisst das nicht, dass uns nicht manches
irritiert, wir manchmal anstehen, uns ärgern oder Dinge uns näher gehen, als
wir möchten. Dennoch sehen wir uns nicht nur als finanzielle Unterstützer (dank
eurer grossartigen Hilfe), sondern möchten Kindern, Eltern und Mitarbeitenden
auch Impulse zu Themen wie Zeitmanagement, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein
mitgeben.
Die Rückschau auf die vergangene Woche brachte zwar keine
spektakulären Ereignisse, aber doch viele kleine, bedeutsame Momente:
Ein Laptop, viele Möglichkeiten
Mäge und ich haben einen beinahe unbrauchbaren Laptop wieder
zum Laufen gebracht – schnell genug, um künftig an Studentinnen und Studenten
ausgeliehen zu werden. Die Nachfrage ist gross: Senior-High- und
College-Studierende leihen bei uns regelmässig Geräte aus, um zu recherchieren
oder Arbeiten zu schreiben.
Falls also jemand von euch noch einen funktionierenden Laptop (ab Windows
10) herumliegen hat: Wir würden ihn gerne beim nächsten Besuch mitnehmen.
Strengere Regeln für angehende College-Studierende
Wir hatten ein wichtiges Meeting mit Aiza und Keno, um die
erste Informationsrunde für angehende College-Studierende vorzubereiten. Eines
wurde klar: Wir müssen konsequenter werden.
Bisher haben wir immer betont, dass drei Voraussetzungen
erfüllt sein müssen, um Unterstützung zu erhalten:
- Ablegen
einer Aufnahmeprüfung an einer Universität
- Antrag
ans College für reduzierte Schulgebühren
- Antrag
auf ein städtisches Stipendium
Trotzdem kamen viele mit Ausreden, warum sie einzelne
Schritte ausgelassen hatten. Wenn jemand diese drei Aufgaben – die später
unsere Kosten deutlich senken könnten – nicht schafft, müssen wir ehrlich sein:
Dann ist ein College-Studium vielleicht wirklich nicht der richtige Weg.
Die meisten unserer Batulong-Schülerinnen und -Schüler sind
sehr motiviert und verfügen nach 10–12 Schuljahren über eine solide
Grundbildung, auch wenn das Niveau nicht mit Europa vergleichbar ist. Doch
manchmal erleben wir Situationen, bei denen wir nur staunen können.
Beispiel: Ein 14-jähriger Schüler bringt sein volles Notizbuch vorbei und
möchte ein neues. Aiza fragt, warum immer nur die rechte Seite beschrieben
wurde. Seine Antwort: „Ich bin Rechtshänder und weiss nicht, wie man auf der
linken Seite schreibt.“
Buchhaltung, die (noch) nicht ganz stimmt
Ein aktuelles Thema sind kleine Differenzen in der
Buchhaltung – jeweils nur um ein paar Franken, aber dennoch ärgerlich. Wie sie
entstehen, ist unklar, aber ich erarbeite Strategien mit Aiza, um die Fehler
schneller finden zu können. Gemeinsam mit Keno arbeite ich nun an einer
verbesserten philippinischen Buchhaltung, die näher an der schweizerischen
Struktur sein wird. Natürlich muss alles noch von der Revisorin genehmigt
werden.
Aufräumen, Termiten & vergessene Schätze
Ordnungssinn liegt nicht jedem im Blut – hier meist sogar
eher weniger – und so gibt es im Batulongcenter immer etwas aufzuräumen.
Ein Schrank im Esssaal, der nur einseitig zu öffnen war, enthielt altes
Material aus früheren Seifenprojekten. Die verschlossene Seite mussten wir
aufbrechen – und fanden neben ein wenig Geld auch einige nützliche und weniger
nützliche Dinge.
Unsere Hauswartin erwähnte dabei, dass das Regal im dritten
Raum völlig kaputt sei. Diagnose: vom Termiten zerfressen. Unser
Hauswart-Ehepaar zeigte daraufhin grossartigen Einsatz, räumte alles aus, Keno
sortierte die Bücher, und das alte Regal sowie nicht mehr brauchbare Bücher
dienen jetzt immerhin noch als Brennmaterial.
Begegnung mit einer obdachlosen Frau
Auf dem Weg zum Bus begegnen wir jeden Morgen einer
obdachlosen Frau, die uns stets freundlich begrüsst. Sie lebt auf dem Trottoir
an einer stark befahrenen Strasse – direkt gegenüber einer der letzten grünen,
wenn auch vermüllten Oasen der Stadt.
Ihr „Haus“ besteht aus zwei Kühlschrankgehäusen im Abstand
von 1,60 m, darüber ein Brett als Dach. Eine alte Farbdose dient als Kocher,
daneben stehen Wasserflaschen.
Beim Aufräumen im Batulongcenter fanden wir einige Dinge,
die ihr helfen könnten. Also packten wir einen alten Batulong-Rucksack mit
einem Event-T-Shirt, ein paar brauchbaren Kleinigkeiten und zwei
Plastikplakaten, die sie als Seitenwände verwenden kann. Aiza schrieb ein
kleines Briefchen auf Bisaya, und am nächsten Morgen übergaben wir der Frau das
Paket – in der Hoffnung, ihr eine Freude zu machen.
In Cagayan de Oro gibt es viele Obdachlose und Bettler, aber
nur wenige, die so zurückgezogen leben wie sie. Betteln ist hier oft ein
„Beruf“, und wir geben nur selten etwas – meist nur, wenn jemand körperlich
stark eingeschränkt ist.
Wie Bobong: Er bewegt sich auf einem Brett mit Rollen
fort, da er nur einen Arm und ein verkürztes Bein besitzt. Früher bettelte er,
heute hilft er als Parkplatzanweiser. Ein fröhlicher Mensch, der uns jedes Mal
herzlich begrüsst. Diesmal erzählte er stolz, dass er im September 40 geworden
ist. Wir haben ihm daraufhin ein kleines Geburtstagsküchlein geschenkt.
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| der schwarze Sandstrand vor unserem Homestay |
Wir schreiben den Blog in Camiguin, wo wir unsere letzte
Woche vor dem Rückflug in die Schweiz verbringen. Nach dem ersten Tag erreichte
uns wieder ein tropisches Tief mit fast zwei Tage Regen, aber wir gingen
trotzdem tauchen: unter Wasser war es angenehm warm und nur während der Stunde
Oberflächen-Intervall und der Rückfahrt froren wir: Vorbereitung auf unser
kühles Zuhause vielleicht.
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| Im Hintergrund der Vulkan Hibok Hibok, das Cottage und der Aussichtsturm des Homestays und Fischerboote |
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| in diesem Paradies wohnen wir |
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| Eine plötzliche Invasion von fliegenden Insekten liess die grossen Geckos auf den Boden und in den Regen laufen, zusammen mit einem Frosch |
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| Der kleine Flughund sucht jeweils Schutz unter dem Dach |
Wer möchte, noch ein paar Eindrücke vom Tauchen:
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| Regentauchgan |
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| Diese Stiliger-Schnecke (3 mm) habe ich noch nicht so oft gesehen |
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| giftig, aber völlig uninteressiert an Menschen |
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| Sie heisst Mexichromis multituberculata und leuchtet schon von Weitem |
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| sie versteckte sich unter einem Blatt |
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| Eubranchus putnami leben auf Nesseltieren |
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| Ca. 4 mm gross, schaut sie mich mit ihren zwei Punktaugen zwischen den Fühlern an. Sie ist noch eine unbenannte Costasiella, aber ich nenne sie Costasiella ukrainae |
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| Sie war vielleicht 5 mm gross, vermutlich eine Atagema. Schaut euch die Struktur ihres Mantels an! |
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| süsse flauschige Aegires |