Mittwoch, 30. April 2025

Ostern, Camps, Tauchen

 

Geisterpfeifenfisch

Mäge und ich sind seit Ostern auf der Insel Camiguin, wo wir viel tauchen und alle Möglichkeiten nutzen, viele Unterwasser-Tiere zu finden. Nicht immer ist das Wetter gut und es scheint, dass dieses Jahr die Jahreszeiten (wärmere und kältere, trockenere und feuchtere) etwas nach hinten verschoben sind. So ist das Wasser für 80-90-Minuten Tauchgänge mit 26-27 Grad sehr frisch und es finden sich bis zu unserer letzten Tauchwoche kaum Nacktschnecken, dafür immer Tintenfische und Sepias. Am Schluss fügen wir noch ein paar Unterwasser-Fotos für euch hinzu.

kleiner Giftzwerg: Blauring-Oktopus, wenn man ihn in Ruhe lässt, ist er ungefährlich

Nach Ostern konnten wir auch von hier aus einige administrative Arbeiten erledigen und Entscheide fällen und parallel hatten unsere Mitarbeiter alle Hände voll zu tun mit der Vorbereitung für die Camps: Sommercamp für die Oberstufen Batulong-Kinder der 9. Und 10. Klasse und das Retreat, das jetzt für die Senior High  und alle College-Studenten stattfindet.  

Ausser beim Design für die T-shirts brauchte Aiza keine Hilfe von uns in der Vorbereitung. Sie macht eine super Arbeit und wir können nur immer wieder betonen, wie zufrieden wir mit ihr sind. Im Vorgespräch schlug sie das Camp-Thema Zeit-Management vor, weil viele Studenten es oft verpassen, Aufgaben rechtzeitig abzugeben oder Prioritäten zu setzen. Ich war sofort begeistert davon und wir hoffen sehr, dass die Teenager einerseits viel Spass und Begegnungen miteinander haben, aber andererseits auch noch etwas für ihr tägliches Studentenleben mitnehmen werden. Ein paar Eindrücke aus dem Sommercamp (4 Tage, 3 Nächte) in der Arikay-Farm.

 

über diese Hängebrücke gelangt man zur Arikay Farm
Aiza - unsere Organisatorin!


Gymnastik vor den Spielen

eine Aufgabe lösen


Geschicklichkeits- und

Teamspiele

niemand blieb sauber :-)
und es machte Spass

mit den Füssen laut Anweisung Bälle hochheben


immer lustig: Mehltransport auf Karten

nicht lachen oder heftig atmen!
nur als Team kommt man vorwärts...

Mehr Tauchfotos: 
ein Highlight für jeden Taucher: Flamboyant Cuttlefish - flammende Sepia auf Deutsch  

 
sie sind recht territorial und wenn man mal einen gefunden hat, ist die Chance auf weitere Sichtungen später gross. So haben wir sie alle paar Tage gefunden bis wir dann das Weibchen (gross) mit dem kleineren Männchen bei der Eiablage in der Kokosnuss beobachten konnten. 






sie sind recht territorial und wenn man mal einen gefunden hat, ist die Chance auf weitere Sichtungen später gross. So haben wir sie alle paar Tage gefunden bis wir dann das Weibchen (gross) mit dem kleineren Männchen bei der Eiablage in der Kokosnuss beobachten konnten. 

Wunderpus
Sepia in Weichkorallenwolke - deshalb esse ich keine Tintenfische und Sepias...


kleine, ein paar cm grosse Anglerfische



diese Costasiella ist nur wenige Millimeter gross
Nacktschnecken- die Schmetterlinge unter Wasser, farbenfroh und in allen möglichen Formen



nur 1-2 mm, an einem Faden hängend in leichter Strömung!

Costasiella in Ukrainen-Farben

seht ihr die süssen Knopfaugen?

eine Art Seehase

Mittwoch, 9. April 2025

Halbzeit



Wir sind nun schon einen Monat auf den Philippinen – die Hälfte unserer Zeit hier! Das Wetter ist sommerlich warm mit bis zu 36 Grad, aber die Arbeitstage laufen immer etwa gleich ab: wir verlassen unser Hotel um 7.15 Uhr und gehen bei angenehmen 26 Grad jeweils 850 m zu einem grossen Kreisel, wo wir den kleinen Bus nach Calaanan abpassen. Von 8 bis 16 Uhr sind wir meist im Büro und jetzt, wo die Hauptschule nur noch die Abschlussfeiern proben und der Schulbesuch teilweise freiwillig ist, ist es auch in unserem Center ruhiger geworden. Für uns kocht unsere Hauswartin jeweils Huhn und Reis oder Huhn Adobo (in einer Sauce) zu Mittag - etwas Anderes kann sie glaub nicht - und am Abend ist die Auswahl an Essensmöglichkeiten für uns auch recht limitiert. Doch gerade kürzlich haben wir ein libanesisches Restaurant gefunden! Endlich mal Essen mit Gewürzen, auch wenn ihre Auswahl nur Biryani Reis und Huhn oder Rind oder Shawarma ist. Da nehmen wir doch den laut schmatzenden und rülpsenden Tischnachbarn in Kauf. Dies sind leider normale Tischmanieren, auch das mit vollem Mund sprechen gehört dazu. Andere Länder, andere Sitten halt…

Nachdem Aiza in ihrem neuen Zuhause eingezogen ist, suchen wir weiter nach einer Wohnung für Keno. Grundsätzlich geht es auch in diesem Fall darum, dem Batulong-Manager eine Möglichkeit durch ein Darlehen zu bieten, dass er als 35-Jähriger zu Hause ausziehen und auf eigenen Füssen stehen kann. Es ist auch eine Wertschätzung an ihn, denn wir wollen ihn als Angelpunkt der Stiftung behalten. Von der Bruchbude, vollgestopft mit Abfall bis zum schöneren, zweistöckigen Haus besuchen wir mehrere Objekte. Jedes Mal gibt es aber kleine Hürden, z.B will sich jemand später nicht mehr an die Abmachungen halten oder es fehlen Basisdokumente. Einmal sehen wir uns ein Haus einer praktisch blinden, 65-jährigen Frau an, die Geld für ihre Operation des grauen Stars benötigt und zu ihren Verwandten weiter südlich in Mindanao ziehen will, weil sie kinderlos ist.

links die Frau mit dem grauen Star

Das Häuschen würde viel Renovation benötigen und es ist nicht das Richtige für Keno, aber wir unterhalten uns mit der alten Frau und erfahren, dass sich die Nachbarn (zufälligerweise Batulong Unterstützte) angeblich hilfsbereit gezeigt hätten, aber dann das Geld für die Medikamente zur Vorbereitung der Katarakt-Operation selbst behalten hätten und danach für einige Zeit in die Nachbarprovinz gereist seien. Natürlich werden wir der Sache nachgehen und die Batulong-Familie zur Rede stellen, aber wir haben der alten Dame auch versprochen, die Operation ihres Auges zu übernehmen (selbst wenn beide Augen betroffen wären, könnte sie immerhin mit einem gut sehen). Zusätzlich werden wir ihr helfen, weitere Unterstützung – vielleicht auch für ihren Kropf – von der Sozialbehörde zu bekommen.

Das nächste Haus, das wir uns mit Keno ansehen, ist um einiges besser und wir haben schon die Zahlungskonditionen besprochen und am Nachmittag bei einem Notar abgemacht, als Keno nach dem Verlassen des Hauses von einer Frau angesprochen wird. Ich werfe noch einen Blick hinter das Haus, weil schönerweise dort nur ein Weg vorbeiführt und danach etwas Wald angrenzt, als ich von Weitem aus der Gestik der Frau erahne, dass da etwas im Argen liegt: sie ist sichtlich aufgeregt, ihre Stimme laut und sie zeigt immer wieder auf das Haus, das Keno kaufen möchte. Es stellt sich heraus, dass die erboste Frau die Schwester der jetzigen Hausbesitzerin ist und mit dem Verkauf des Hausteils nicht einverstanden ist, weil er früher ihrer Mutter gehört hat.

Wir gehen zurück zur Hausbesitzerin und kurz danach entfacht ein lautstarker Streit zwischen den Schwestern. Keno verlässt fast fluchtartig den Ort natürlich sind wir alle enttäuscht, weil aus dem interessanten Projekt und der super Lage offenbar nichts wird. Aber kurz darauf einigen sich die Streithähne und erscheinen bei uns im Büro und versprechen, dass alles einvernehmlich stattfinden wird. Philippinische emotionale Berg – und Talbahn…

vielleicht das Beste an Keno's Häuschen ist der Balkon, von dem man Mangos vom Baum gegenüber pflücken kann...

nach dem Streit - alle wieder friedlich zusammen

Der Verkauf findet einige Tage später statt und die Frau, die das Haus verkauft, erlebt schmerzlich, wie skrupellos Kredithaie handeln: sie hatte ein Darlehen von 100'000 Pesos (etwa 1500 Fr), ausgelegt als Hypothek und klar mit der Absicht, dass der Kreditgeber – der Chef der Frau! – später das Häuschen übernehmen würde, weil die Kreditnehmerin unmöglich den Batrag zurückzahlen könnte, ohne das Haus zu verkaufen. Monatlich sollte sie 123 Fr. zahlen und sie rechnete mit 738 für die letzten 6 Monate, aber der Kredithai will alle zukünftigen Zinse bis zum Ablauf der Hypothek in zwei Jahren. Nach 6 Monaten Kredit von 1500 Fr muss sie nun über 4000 Fr zurückzahlen!

Franca
Am Mittwoch findet die Batulong-Schulreise, «Educational Tour», für die 7. und 8.-klässler statt. Zuerst geht es in ein Naturreservat mit einer schönen, kurzen (für unsere Verhältnisse) Wanderung durch einen Wald. Immer ein Highlight für uns ist der 49 Meter hohe Drachenapfel-Baum, der auf gute 200 Jahre geschätzt wird. Sein Durchmesser von 2.20 ist beachtlich und glücklicherweise wurde er schon früh unter Schutz gestellt.
Blick auf Cagayan de Oro

Hängebrücke zur Arche Noah




Wir fahren mit unseren 4 Jeepneys (es sind wahrhafte Dreckschleudern, aber wir haben nicht wirklich eine Alternative) zu einem Ausflugsziel mit einer rekonstruierten Arche, viel asiatischem Kitsch und bedauernswerten Tieren (Tiger, Schlangen, Affen, Krokodile) in Beton oder Metallgitter-Gehegen. Es ist uns bewusst, dass dies vermutlich die einzige Möglichkeit für Batulong-Kinder ist, solche Tiere einmal in Realität zu sehen, aber es macht uns dennoch traurig. Im Infinitiy-pool finden wir aber  alle Abkühlung und haben viel Spass. Als ich nach Aiza Ausschau halte, erfahre ich, dass sie mit Jacklyn und einer Freundin im Kinderbecken ist, weil sich Jacklyn nach wie vor wegen ihren Narben nach der Lippenscharten-Operation schäme. Sie hält immer eine Hand vor den Mund. So gehe ich zu ihnen hinunter um zu sehen, wie der Stand nach der letzten OP ist. Das Mädchen hat kein Problem, mir ihre Lippe zu zeigen und es ist schon so, dass die Narben und verschieden gefärbten Hautteile gut sichtbar sind, aber sobald sie die künstlichen Frontzähne hat, erwarten wir ein bedeutend besseres Aussehen. Einerseits ist das Resultat recht gut, aber als ich sage, es sei doch okay, schüttelt sie traurig den Kopf und ich verstehe sie auch. Obwohl es so viel besser ist als vorher, ist es einfach noch nicht zufriedenstellend. Ich spüre so stark, dass der Teenager sich einfach nur wünscht, "normal" auszusehen und ich verspreche ihr, dass wir weitere Möglichkeiten versuchen werden, denn das Ziel ist, dass sie sich ohne Maske oder Hand vor dem Mund unter die Leute getraut. Ich kämpfe mit den Tränen, so leid tut sie mir in ihrer Situation.



Ein anderes Mädchen ist Andrea, die durch ihre stark gelockten Haare auffällt. Ich finde ihren Afrostyle super, aber unter all den Filipinos mit langen, glatten Haaren sticht sie heraus. Ob dies der Grund ist, dass sie immer alleine ist, weiss ich nicht. Keno sagt, sie sei eine Einzelgängerin und am nächsten Tag kommt zufälligerweise ihre Mutter zu uns ins Center und wir fragen nach, aber auch mit der Mutter tauscht Andrea ihre Gedanken nicht aus. Da kommt mir in den Sinn, dass ich ein Foto von Andrea bei den Koi-Aquarien gemacht habe, welches ich der Mutter für das Mädchen mitgebe. Und dann erzählt diese, der Junge neben ihrer Tochter auf dem Foto habe Andrea motiviert mitzukommen und sie am Morgen der Tour zu Hause abgeholt. Was für eine wunderschöne Geschichte!

Andrea mit ihrem guten Freund

Wir sind froh, die laute, stinkende und überbevölkerte Stadt zu verlassen. Zwischendurch haben wir das Gefühl als wären wir in einer Konfrontationstherapie, in der man sich Widerstandskraft erarbeiten muss: die vielen Menschen auf der Strasse, die oft nicht schauen, wo sie hingehen oder die Unsitte, in voller Lautstärke durch Tiktok zu scrollen im Bus mit dem unvermeidlichen Wechsel der Hintergrund-Geräusche nach 10 Sekunden. Die Reichen mit ihren SUVs, die irgendwo mit laufendem Motor stehen, um schön kühl im Auto zu haben und dass es generell niemanden interessiert, ob die Natur zerstört wird oder nicht. Man fühlt sich, als wäre man in einem brennenden Haus mit einer Giesskanne zum Löschen.

So beschränken wir unsere Energie auf unser Hilfswerk und helfen, wo Hilfe am nötigsten gebraucht wird. Zum Beispiel bei der alleinerziehenden Mutter von drei Kindern, die auf einem Hügel (ohne Strom und Wasser) lebte. In ihrer Abwesenheit ist die ganze Hütte – vermutlich wegen einem nicht vollständig gelöschten Feuer – abgebrannt.


vorher - nachher :-(

Sie erhält zwar etwas Reis und offenbar einige Baumaterialien für ein neues Häuschen vom Dorf, aber sollte sie weitere Hilfe benötigen, sind wir da. Glücklicherweise kann die Familie bei ihren Grosseltern wohnen (wo eigentlich kein Platz ist), und da könnte z.B unser grosses Schutz-Zelt von 2011, als bei uns die verheerende Flut Sendong war, vorübergehend von Nutzen sein.
möglicherweise baut die alleinerziehende Mutter ihr Häuschen auf dem Platz im Vordergrund beim Haus der Eltern

In der Zwischenzeit sind wir wieder nach Camiguin gereist, wo wir über Ostern und noch etwas länger Urlaub machen, weil bei Batulong Sommercamp und Retreat stattfinden werden. Der nächste Bericht folgt wieder in 1-2 Wochen und wird jeweils in meinem Status in Whatsapp angekündigt.

Wir danken euch fürs Lesen unseres Blogs und wünschen schöne Oster- und Frühlingstage.

 

Bambus: er ist wichtiges Baumaterial und wächst bis zu einem halben Meter im Tag! Deshalb hört man es knacken, wenn man vorbeigeht, und da Bambus zu den Grasgewächsen gehört, hört man tatsächlich das Gras wachsen....




Bambus - das Gras, das man wachsen hört...


Letzte Woche und Heimflug

Wir kreierten eine bedruckte Plane für unseren Lieblingstauchshop mit den Tieren, die man beim Tauchen über Sand finden kann.  Wir sind wied...