Samstag, 25. Oktober 2025

Woche 2

 

Fast jeden Tag halten wir nun ein Team Meeting an dem kleinen Tisch ab, an dem Mäge und ich normalerweise arbeiten. Das funktioniert deutlich besser, als wenn jeder hinter seinem Monitor sitzt – kleine Veränderungen können manchmal eine große Wirkung haben.

Wir besprechen zum Beispiel, wie wir mit Eltern umgehen, die wiederholt unentschuldigt nicht zu ihrem Kocheinsatz erscheinen. Ein- bis zweimal im Monat sollte dieser Einsatz wirklich möglich sein. Auch wenn wir dadurch meist noch genügend Köche haben, würde ein stilles Tolerieren schnell Nachahmer finden. Da der Kocheinsatz die Gegenleistung für die Unterstützung mit Mittagessen, Schulmaterial, Uniformen usw. ist, beschliessen wir, das Kind zwar weiterhin zu unterstützen, aber Dinge, die nicht unbedingt nötig sind – etwa Uniform oder Schultasche – zu streichen. Zuvor soll der betroffene Elternteil jedoch gewarnt und gefragt werden, ob er wirklich auf diese Batulong-Hilfen verzichten möchte.

Am nächsten Tag bleibt Mäge im Hotel – Fieber und Husten. Offenbar hat uns jemand im Bus angesteckt. Rückblickend wäre es wohl besser gewesen, in dieser Situation eine Maske zu tragen. Hier in Asien ist das ja nach wie vor völlig normal.

So fahre ich allein nach Calaanan. Das Meeting an diesem Tag macht den Mitarbeitern richtig Spaß: Am Vormittag habe ich ihnen Fragen in Form eines kleinen Persönlichkeitstests vorbereitet, am Nachmittag sprechen wir über die verschiedenen Arbeitstypen im Team. Daraus entstehen spannende Gespräche über Teamwork, Verantwortungsbewusstsein, Fehlerkultur, das Schreiben von Reports und den Mut, eigene Inputs einzubringen.

Parallel dazu arbeiten Mäge und ich an einem Vorschlag für die überarbeiteten Anstellungsbedingungen. Keno und Aiza sollen künftig gemeinsam als Co-Manager arbeiten – mit gleichem Lohn und jeweils einem freien Nachmittag pro Woche. Vor dem Gespräch sind wir etwas nervös, denn für Keno bedeutet unser Vorschlag zwar, wie von ihm gewünscht, weniger Verantwortung, aber auch eine spürbare Lohnkürzung.

Umso überraschender ist es, dass beide Mitarbeiter mit dem neuen Modell sehr zufrieden sind – und wir damit ebenso.

Am letzten Tag verbringen wir wieder einmal ein paar Stunden auf der Bank. Die Gespräche mit der Bankmanagerin sind wie immer herzlich und unterhaltsam, doch gefühlt unterschreiben wir tausend Dokumente – und das nur für die jährliche Erneuerung der Unterschriftenberechtigungen. Immerhin: Neu hat nun auch Aiza alle Vollmachten.

Damit ist das Wichtigste organisatorisch abgeschlossen. Zufrieden machen wir uns auf den Weg nach Camiguin, wo wir zwei Wochen verbringen werden. In dieser Zeit ist in Calaanan auch Semesterpause und Halloween, das heisst, viele arbeitsfreie Tage. Im „Insel-Office“ können wir nun weiter unsere Computerarbeit erledigen und das Team per Chat begleiten. Ab dem 1. November tritt die neue Arbeitsaufteilung in Kraft – und nach der ersten Woche werden wir wieder in Calaanan sein, um das Team weiter zu coachen.

In dieser Woche habe ich nicht viele Fotos gemacht, hier ein paar wenige Eindrücke: 



 
Alison Ford

Alison Ford, 21 Jahre alt, wird nächstes Jahr sein Studium als Primarlehrer abschliessen. Seit er in der zweiten Klasse war (oberes Bild), wird er von Batulong unterstützt. Wir freuen uns sehr, als er ins Büro kommt, um das Geld für die tägliche Fahrt in die Stadt abzuholen und wir realisieren, wie lange er schon ein "Batulong-Kind" ist, Dies sind die kleinen Erfolgserlebnisse für uns und die lebensverändernden Erlebnisse für die Unterstützten. 

 

 

 

 

An einem Abend, als wir in einem Shopping Center einen Ort zum Essen suchen, spricht uns eine junge Frau an: sie sei eine ehemalige Batulong-Studentin. Als sie den Namen sagt, erinnern wir uns natürlich. Sie hat Buchhaltung studiert und hat jetzt eine Arbeit als Buchhalterin. 

 
Im Büro, kurz vor Arbeitsschluss am Freitag. 

Und zum Schluss noch etwas zu Bea, der Hund, den man mit Recht Batulong-Hund nennen könnte. Vor vielen Jahren haben wir sie aus dem Tierheim, das steunende Hunde aufnimmt, zu uns geholt. Sie war schon immer eine freundliche Hündin, aber wir haben den Eindruck, dass sie immer lieber wird - und zwar zu allen! Kommen wir in ihre Nähe, wedelt sie mit dem Schwanz und dreht sich auf den Rücken, um am Bauch gestreichelt zu werden. 

Oft liegt sie einfach irgendwo im Büro und geniesst unsere Anwesenheit. Nach Büroschluss haben wir sie schom mehrmals beobachtet, wie  sie auch an die Strasse läuft und dann Richtung Haus des ehemaligen Hauswarts, bei dem sie oft die Nacht verbringt. 

 

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Erste Arbeitswoche

 

Erste Arbeitswoche

Gruppenfoto nach der Unterzeichnung des Vertrags

In der ersten Woche konnten wir schon einige wichtige Dinge erledigen oder anfangen. Sehr froh sind wir, dass wir nach einigem Suchen nun eine kompetentere, freundliche und vor allem günstigere Revisorin gefunden haben. Mit dem vorherigen waren wir zunehmend unzufrieden, während er leider immer teurer wurde. Die neue Revisionsstelle ist ein kleineres Büro nur ein paar hundert Meter von unserem Hotel entfernt. Wir wollen auch die Gelegenheit ergreifen, die Buchhaltungen in der Schweiz und auf den Philippinen womöglich etwas aneinander anzupassen.  

Das Haus unseres Hauswart-Ehepaars weist erste Alterserscheinungen auf: Das Wellblech-Dach hat Löcher (dort, wo vorher Nägel waren) und Balken und Türen sind teilweise von Termiten zerfressen. Eine Reparatur ist dringend nötig und wir planen ein einfaches, neues Dach.

Das Material wurde zum Teil schon geliefert und die Arbeiten begannen. 

Zwischendurch habe ich (Franca) mit den beiden Mitarbeitern einen Häkelkurs gemacht. Das war eine schöne Abwechslung für Keno und Aiza! Auf den Philippinen sind Handarbeiten eher selten, aber Aiza hat angefangen zu sticken und so sind wir aufs Thema Häkeln gekommen. Sowohl Aiza wie auch Keno haben sich sehr geschickt angestellt und das Prinzip dieser Handarbeit schnell verstanden. 

beim Arbeiten




volle Konzentration

Wie immer haben wir neue Familien besucht und danach entschieden, wie viele Kinder wir jeweils unterstützen. Dass die Kinder einer zerbrochenen Beziehung sehr oft bei den Grosseltern landen und dort aufgezogen werden, ist der Normalfall hier. Sehr häufig bitten uns auch alleinerziehende Mütter oder Väter um Hilfe. Wir hoffen sehr, dass die Kinder bei uns nicht nur Schulmaterial usw bekommen, sondern auch einen Ort, an den sie bei Problemen kommen können und an dem sie Freunde haben. 

 

Nach der Informationsveranstaltung für die neu aufgenommenen Kinder mit ihren Eltern bekommen die Kinder schon erste Schulmaterialien. Hier z.B zurrt ein kleiner Primarschüler seinen neuen Batulong-Rucksack zusammen. 


Eltern stellen sich in der Gruppe der neu aufgenommen Familien vor. 

In dieser Woche hatten wir auch die Möglichkeit, einzeln mit Keno und Aiza zu reden. Keno äusserte vor einigen Monaten einmal mehr, dass er zum Teil mit der Position des Managers überfordert ist, vor allem bei der Buchhaltung. Auch für uns war die Situation etwas schwierig und wir wollen nun eine Neusortierung der Aufgaben und Kompetenzen anstreben, mit Aiza als neue Verantwortliche für die finanziellen Angelegenheiten. In den nächsten Tagen soll eine Evaluation der Arbeits-Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen genauer zeigen, wie der Jobbeschrieb der beiden Mitarbeiter aussehen könnte.

Am Samstag fand der Spieltag – Sportsfest – für die Schüler der 4. 5. und 6. Klasse statt. Am Anfang kam die Tambourin-Band der Primarschule, um uns alle durch das Dort zu leiten. So zogen Collegeschüler als Gruppenleiter, alle Kinder mit verschiedenfarbigen T-shirts und einige Eltern von unserem Batulong-Center bis zum ca. einen Kilometer entfernt liegenden Basketballfeld. Wir sind schon verschwitzt, als wir ankommen 😊 Für Mäge und mich gibt es dann leider nicht mehr viel zu tun, aber die Kinder haben Spass bei Geschicklichkeits- und Sportspielen.  

 

Unsere Hauswartin Diana und die Stiftungsrätin Jelyn waren für das Mittagessen - Poulet, Pancit (Glasnudelgericht) und Reis - verantwortlich. 

Di

Montag, 13. Oktober 2025

Erdbeben

Das Einpendeln in die neue Zeitzone und das Überwinden des Jetlags dauert ziemlich genau eine Woche. In dieser Zeit haben wir etwas getaucht, was nach den zwei gerade vorübergezogenen Taifunen eine Herausforderung war: wohin wurden die Schneckchen geschwemmt und haben sie überhaupt überlebt? So suchten wir oft minutenlang, bis wir wieder etwas für unseren Fotoapparat fanden. Trotzdem war die erste Woche sehr schön und die Entspannung tat uns gut.

Die erwarteten Nachbeben vom Epizentrum auf Cebu blieben aus, aber am 10. Oktober bebte die Erde mit einer Stärke von 7.4 auf der Richterskala im Südosten von Mindanao so heftig, dass man es bis nach Camiguin sehr gut spürte. Der Besitzer des Airbnbs, wo wir jeweils wohnen, sagte, sie seien erschrocken nach draussen gerannt und der dicke Baum im Garten habe gerüttelt und geschwankt. Wir waren in der Zeit unter Wasser und ich spürte das Beben durch ein Gefühl des Unwohlseins in der Magen- und Lungengegend, aber erst, als unser Guide Dondon zu einem Korallenfelsen schwamm und uns anzeigte, dass dieser sich bewege, wurde mir klar, dass wir unter Wasser ein Erdbeben erlebt hatten.

Da die Philippinen an der Schnittstelle von drei grossen tektonischen Platten liegen, verursachen die Wechselwirkungen der Eurasischen Platte im Westen, der Philippinischen Platte im Osten und der Indo-Australischen Platte im Süden immer wieder Erdbeben und vulkanische Aktivität. Aber dieses – sagen viele – war eins der heftigsten seit langer Zeit.

Mehr Informationen hier:

https://www.laenderdaten.info/Asien/Philippinen/erdbeben.php

So gabt es noch einige Nachbeben und einige wurden auch noch in Camiguin oder Calaanan gespürt.

 Die Philippinen inmitten von Platten, die gegeneinander stossen und unter einander abtauchen!  

Wir sind zurück am Arbeiten und melden uns ca. in einer Woche wieder – unser Terminplan ist ziemlich voll. Morgen z.B haben wir einen Termin bei einem neuen Revisor und wir hoffen, dass wir vielleicht auch noch ein paar Vereinfachungen oder ideale Änderungen anbringen können.

Nun aber – für die Freunde der kleinen Unterwassertiere – einige unserer Tauchfotos:

Ein Schnecken-Schäfchen, etwa 2 mm gross. 

Cyerce basi, vielleicht 2 cm. Man kann die zwei Augenpünktchen sehen. 

Cyerce pavonina (auch mit Augen)

Favorinus tsurugensis, ca 1 cm

junger Anglerfisch, ein paar Millimeter

grosser Anglerfisch, ca 25 cm, liegend und lauernd

Nacktschnecken-Kopulation: Die Zwitter befruchten sich gegenseitig und können nachher beide Eier legen. Bei manchen Nacktschnecken - bitte nicht erschrecken - lösen sich die Penisse der beiden Schnecken und bleiben in der Vagina stecken. Dies vermutlich, um weitere Rivalen abzuhalten oder die Spermien besser zu schützen, Innert 24 Stunden ist ein komplett neuer Penis gewachsen, ziemlich cool, diese Nacktschneckenwelt, oder?

Ein Mimic octopus

Eine Nacktschnecke auf einem Stück Holz, ein paar Millimeter gross

Psychedelische Nacktschnecke :-), sie heisst so!

eine neue Schnecke für meine Sammlung

Man meint, die Seepferdchen stehen immer schön irgendwo.. dabei torkeln sie meist liegend herum, vor allem wenn sie so schwanger sind wie diese. 


ein ca 15 cm grosser Anglerfisch, alleine im Sand sitzend und einen Schwamm imitierend: sich nicht bewegen, dann kommt irgendwann ein Fisch, der beim Schwamm Schutz sucht.....



 

Letzte Woche und Heimflug

Wir kreierten eine bedruckte Plane für unseren Lieblingstauchshop mit den Tieren, die man beim Tauchen über Sand finden kann.  Wir sind wied...