Fast jeden Tag halten wir nun ein Team Meeting an dem kleinen Tisch ab, an dem Mäge und ich normalerweise arbeiten. Das funktioniert deutlich besser, als wenn jeder hinter seinem Monitor sitzt – kleine Veränderungen können manchmal eine große Wirkung haben.
Wir besprechen zum Beispiel, wie wir mit Eltern umgehen, die wiederholt unentschuldigt nicht zu ihrem Kocheinsatz erscheinen. Ein- bis zweimal im Monat sollte dieser Einsatz wirklich möglich sein. Auch wenn wir dadurch meist noch genügend Köche haben, würde ein stilles Tolerieren schnell Nachahmer finden. Da der Kocheinsatz die Gegenleistung für die Unterstützung mit Mittagessen, Schulmaterial, Uniformen usw. ist, beschliessen wir, das Kind zwar weiterhin zu unterstützen, aber Dinge, die nicht unbedingt nötig sind – etwa Uniform oder Schultasche – zu streichen. Zuvor soll der betroffene Elternteil jedoch gewarnt und gefragt werden, ob er wirklich auf diese Batulong-Hilfen verzichten möchte.
Am nächsten Tag bleibt Mäge im Hotel – Fieber und Husten. Offenbar hat uns jemand im Bus angesteckt. Rückblickend wäre es wohl besser gewesen, in dieser Situation eine Maske zu tragen. Hier in Asien ist das ja nach wie vor völlig normal.
So fahre ich allein nach Calaanan. Das Meeting an diesem Tag macht den Mitarbeitern richtig Spaß: Am Vormittag habe ich ihnen Fragen in Form eines kleinen Persönlichkeitstests vorbereitet, am Nachmittag sprechen wir über die verschiedenen Arbeitstypen im Team. Daraus entstehen spannende Gespräche über Teamwork, Verantwortungsbewusstsein, Fehlerkultur, das Schreiben von Reports und den Mut, eigene Inputs einzubringen.
Parallel dazu arbeiten Mäge und ich an einem Vorschlag für die überarbeiteten Anstellungsbedingungen. Keno und Aiza sollen künftig gemeinsam als Co-Manager arbeiten – mit gleichem Lohn und jeweils einem freien Nachmittag pro Woche. Vor dem Gespräch sind wir etwas nervös, denn für Keno bedeutet unser Vorschlag zwar, wie von ihm gewünscht, weniger Verantwortung, aber auch eine spürbare Lohnkürzung.
Umso überraschender ist es, dass beide Mitarbeiter mit dem neuen Modell sehr zufrieden sind – und wir damit ebenso.
Am letzten Tag verbringen wir wieder einmal ein paar Stunden auf der Bank. Die Gespräche mit der Bankmanagerin sind wie immer herzlich und unterhaltsam, doch gefühlt unterschreiben wir tausend Dokumente – und das nur für die jährliche Erneuerung der Unterschriftenberechtigungen. Immerhin: Neu hat nun auch Aiza alle Vollmachten.
Damit ist das Wichtigste organisatorisch abgeschlossen. Zufrieden machen wir uns auf den Weg nach Camiguin, wo wir zwei Wochen verbringen werden. In dieser Zeit ist in Calaanan auch Semesterpause und Halloween, das heisst, viele arbeitsfreie Tage. Im „Insel-Office“ können wir nun weiter unsere Computerarbeit erledigen und das Team per Chat begleiten. Ab dem 1. November tritt die neue Arbeitsaufteilung in Kraft – und nach der ersten Woche werden wir wieder in Calaanan sein, um das Team weiter zu coachen.
In dieser Woche habe ich nicht viele Fotos gemacht, hier ein paar wenige Eindrücke:
Alison Ford, 21 Jahre alt, wird nächstes Jahr sein Studium als Primarlehrer abschliessen. Seit er in der zweiten Klasse war (oberes Bild), wird er von Batulong unterstützt. Wir freuen uns sehr, als er ins Büro kommt, um das Geld für die tägliche Fahrt in die Stadt abzuholen und wir realisieren, wie lange er schon ein "Batulong-Kind" ist, Dies sind die kleinen Erfolgserlebnisse für uns und die lebensverändernden Erlebnisse für die Unterstützten.
Und zum Schluss noch etwas zu Bea, der Hund, den man mit Recht Batulong-Hund nennen könnte. Vor vielen Jahren haben wir sie aus dem Tierheim, das steunende Hunde aufnimmt, zu uns geholt. Sie war schon immer eine freundliche Hündin, aber wir haben den Eindruck, dass sie immer lieber wird - und zwar zu allen! Kommen wir in ihre Nähe, wedelt sie mit dem Schwanz und dreht sich auf den Rücken, um am Bauch gestreichelt zu werden.
Oft liegt sie einfach irgendwo im Büro und geniesst unsere Anwesenheit. Nach Büroschluss haben wir sie schom mehrmals beobachtet, wie sie auch an die Strasse läuft und dann Richtung Haus des ehemaligen Hauswarts, bei dem sie oft die Nacht verbringt.


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