Die Neuaufteilung der Buchhaltungsaufgaben war für Aiza eindeutig eine Herausforderung. Trotzdem ging sie sehr gut und ehrlich mit den anfänglichen Fehlern um – wir bestärkten sie immer wieder darin, dass solche Patzer am Anfang völlig normal sind. Zurück im Büro konnten wir gemeinsam viele der chaotischen Buchungen wieder geradebiegen, und ich nutzte die Gelegenheit, ihr verschiedene Abläufe zu erklären. Auch bei Kenos philippinischer Buchhaltung stimmte plötzlich einiges nicht mehr, doch beide Mitarbeitenden suchten aktiv nach Lösungen – und am Ende lösten wir in Teamarbeit mehrere kleine Rätsel. Ein richtig gutes, motivierendes Erlebnis!
Nach zwei Wochen Abwesenheit zurückzukehren hat oft etwas Gutes: Manche Probleme erledigen sich in dieser Zeit von selbst. Leider gilt das nicht für alle. Ein Criminology-Student im vierten Studienjahr scheint ein wahres Talent darin entwickelt zu haben, Ausreden zu erfinden. Zahlreiche unentschuldigte Fehlstunden (er sei „zu spät gewesen“), mangelhafte Noten in den Quartalsprüfungen und die Tatsache, dass er vergessen hat, sein Stipendium zu erneuern – und uns ein Jahr lang nicht darüber informierte – stellen unsere Geduld auf eine harte Probe. Nun hat er Schulden beim College, das seine Endnoten erst nach Zahlung der ausstehenden Gebühren herausgibt. Und wir wiederum können das nächste Semester erst dann übernehmen, wenn klar ist, dass er keine ungenügenden Noten hat. Jetzt liegt es an ihm, bei jedem einzelnen Lehrer nachzufragen, ob er bestanden hat oder nicht. Leider befürchten wir, dass ihm dieser Aufwand schlicht zu gross sein könnte …
Manchmal halten sich in unserem Hilfswerk die positiven und die frustrierenden Erfahrungen die Waage. Armut entsteht nicht nur durch schwierige Lebensumstände oder fehlende Chancen – sondern manchmal auch durch Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit. Da ist zum Beispiel diese alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, der wir in vielen Bereichen unter die Arme gegriffen haben. Doch ob die Kinder zur Schule gehen oder nicht, scheint sie kaum zu interessieren. Die Tochter in der 8. Klasse hat die Motivation längst verloren, der Junge aus der 5. Klasse taucht seit Wochen nicht mehr auf, und selbst der Kindergärtner geht nur dann, wenn er Geld für Süssigkeiten bekommt. Die Mutter kennt den Stundenplan des Kleinen nicht und verlässt sich darauf, im WhatsApp-Chat zu lesen, wann ihr Fünfjähriger erscheinen soll. Auf Kenos Nachfrage, weshalb sie sich nicht stärker um die Kinder kümmere, meinte sie nur, sie habe „zu viel zu tun“.
![]() |
| Die Behausung der Familie |
Keno nahm inzwischen das Handy zurück, das wir der 8.-Klässlerin für die Schule ausgeliehen hatten. Ein Gespräch mit ihrer Lehrerin ergab, dass die Schülerin durchaus wieder Anschluss finden könnte – wenn sie sich wirklich anstrengt. An dem Tag, an dem sie wieder zur Schule ging, kam sie zu uns ins Büro, offensichtlich in der Erwartung, das Handy sofort zurückzubekommen. Doch für uns ist das ein Moment, klare Grenzen zu setzen: Erst wenn sie zeigt, dass sie wirklich weitermachen möchte, kann sie es wieder haben.
Wir können weder Kinder noch Eltern zwingen, unsere Angebote anzunehmen. Falls die Highschool-Schülerin nicht durchhält, gäbe es immerhin die Möglichkeit, ab 16 Jahren ihren Hauptschulabschluss über das alternative Lernsystem (ALS) nachzuholen. Diese Klassen finden zweimal pro Woche bei uns im Batulongcenter statt – wir stellen den Raum zur Verfügung, und Lehrerin Leni unterrichtet hier nun schon seit 13 Jahren.
Unser Hauswartshaus hat ein neues Dach erhalten, weil das alte voller Löcher war, ebenso neue Türen, die zuvor von Termiten zerfressen wurden. Wir versuchen unseren Mitarbeitenden immer wieder zu erklären, dass kleine Reparaturen besser sind, als zu warten, bis ein Problem grösser – und teurer – wird. Die Fischer auf Camiguin wissen das: Jeden Tag sieht man sie im Schatten sitzen und ihre Netze flicken. In der Stadt hingegen scheint diese Haltung verloren gegangen zu sein. Warum unsere Hauswartin das Termitennest hinter und neben der Steckdose im Büro nicht bemerkt hat, weiss ich nicht. Ein anderes kulturelles Phänomen ist, dass viele Angestellte ihre Aufgabe sehr eng definieren. Diana denkt vielleicht, sie sei nur fürs Bodenputzen zuständig – und alles andere gehe sie nichts an. Darum sind Mäge und ich ständig am Coachen, Erklären und Lösungen suchen, selbst für Kleinigkeiten wie die Frage: Wer sorgt eigentlich dafür, dass das Büro termitenfrei bleibt?
Zum Abschluss noch etwas Kulinarisches: Wir essen ja jeden Mittag im Batulongcenter, und das Essen trifft nicht immer ganz unseren Geschmack. Aber diese Woche gab es Nudeln mit Hühnchen und verschiedenen Gemüsen (Kalamunggay-Blätter aus unsrem Garten und Papaya) – eher auf der lecker Seite unserer Gerichte! (Wir geben zu: Ein kleiner Schuss Sojasauce hilft meist, wenn es etwas fade ist.) Hier ein paar Bilder der Koch-Crew, die ich vorher gemacht habe:
![]() |





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen