Montag, 24. November 2025

Letzte Arbeitswoche: Buchhaltung, Termiten, Obdachlose


Auf den Philippinen zu arbeiten bedeutet immer auch, sich auf die lokale Kultur einzulassen – mit all ihren schönen, aber auch herausfordernden Seiten. Natürlich heisst das nicht, dass uns nicht manches irritiert, wir manchmal anstehen, uns ärgern oder Dinge uns näher gehen, als wir möchten. Dennoch sehen wir uns nicht nur als finanzielle Unterstützer (dank eurer grossartigen Hilfe), sondern möchten Kindern, Eltern und Mitarbeitenden auch Impulse zu Themen wie Zeitmanagement, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein mitgeben.

Die Rückschau auf die vergangene Woche brachte zwar keine spektakulären Ereignisse, aber doch viele kleine, bedeutsame Momente:


Ein Laptop, viele Möglichkeiten

Mäge und ich haben einen beinahe unbrauchbaren Laptop wieder zum Laufen gebracht – schnell genug, um künftig an Studentinnen und Studenten ausgeliehen zu werden. Die Nachfrage ist gross: Senior-High- und College-Studierende leihen bei uns regelmässig Geräte aus, um zu recherchieren oder Arbeiten zu schreiben.
Falls also jemand von euch noch einen funktionierenden Laptop (ab Windows 10) herumliegen hat: Wir würden ihn gerne beim nächsten Besuch mitnehmen.


Strengere Regeln für angehende College-Studierende

Wir hatten ein wichtiges Meeting mit Aiza und Keno, um die erste Informationsrunde für angehende College-Studierende vorzubereiten. Eines wurde klar: Wir müssen konsequenter werden.

Bisher haben wir immer betont, dass drei Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Unterstützung zu erhalten:

  1. Ablegen einer Aufnahmeprüfung an einer Universität
  2. Antrag ans College für reduzierte Schulgebühren
  3. Antrag auf ein städtisches Stipendium

Trotzdem kamen viele mit Ausreden, warum sie einzelne Schritte ausgelassen hatten. Wenn jemand diese drei Aufgaben – die später unsere Kosten deutlich senken könnten – nicht schafft, müssen wir ehrlich sein: Dann ist ein College-Studium vielleicht wirklich nicht der richtige Weg.

Die meisten unserer Batulong-Schülerinnen und -Schüler sind sehr motiviert und verfügen nach 10–12 Schuljahren über eine solide Grundbildung, auch wenn das Niveau nicht mit Europa vergleichbar ist. Doch manchmal erleben wir Situationen, bei denen wir nur staunen können.
Beispiel: Ein 14-jähriger Schüler bringt sein volles Notizbuch vorbei und möchte ein neues. Aiza fragt, warum immer nur die rechte Seite beschrieben wurde. Seine Antwort: „Ich bin Rechtshänder und weiss nicht, wie man auf der linken Seite schreibt.“


Buchhaltung, die (noch) nicht ganz stimmt

Ein aktuelles Thema sind kleine Differenzen in der Buchhaltung – jeweils nur um ein paar Franken, aber dennoch ärgerlich. Wie sie entstehen, ist unklar, aber ich erarbeite Strategien mit Aiza, um die Fehler schneller finden zu können. Gemeinsam mit Keno arbeite ich nun an einer verbesserten philippinischen Buchhaltung, die näher an der schweizerischen Struktur sein wird. Natürlich muss alles noch von der Revisorin genehmigt werden.


Aufräumen, Termiten & vergessene Schätze

Ordnungssinn liegt nicht jedem im Blut – hier meist sogar eher weniger – und so gibt es im Batulongcenter immer etwas aufzuräumen.
Ein Schrank im Esssaal, der nur einseitig zu öffnen war, enthielt altes Material aus früheren Seifenprojekten. Die verschlossene Seite mussten wir aufbrechen – und fanden neben ein wenig Geld auch einige nützliche und weniger nützliche Dinge.

Unsere Hauswartin erwähnte dabei, dass das Regal im dritten Raum völlig kaputt sei. Diagnose: vom Termiten zerfressen. Unser Hauswart-Ehepaar zeigte daraufhin grossartigen Einsatz, räumte alles aus, Keno sortierte die Bücher, und das alte Regal sowie nicht mehr brauchbare Bücher dienen jetzt immerhin noch als Brennmaterial.


Begegnung mit einer obdachlosen Frau

Auf dem Weg zum Bus begegnen wir jeden Morgen einer obdachlosen Frau, die uns stets freundlich begrüsst. Sie lebt auf dem Trottoir an einer stark befahrenen Strasse – direkt gegenüber einer der letzten grünen, wenn auch vermüllten Oasen der Stadt.

Ihr „Haus“ besteht aus zwei Kühlschrankgehäusen im Abstand von 1,60 m, darüber ein Brett als Dach. Eine alte Farbdose dient als Kocher, daneben stehen Wasserflaschen.

Beim Aufräumen im Batulongcenter fanden wir einige Dinge, die ihr helfen könnten. Also packten wir einen alten Batulong-Rucksack mit einem Event-T-Shirt, ein paar brauchbaren Kleinigkeiten und zwei Plastikplakaten, die sie als Seitenwände verwenden kann. Aiza schrieb ein kleines Briefchen auf Bisaya, und am nächsten Morgen übergaben wir der Frau das Paket – in der Hoffnung, ihr eine Freude zu machen.

In Cagayan de Oro gibt es viele Obdachlose und Bettler, aber nur wenige, die so zurückgezogen leben wie sie. Betteln ist hier oft ein „Beruf“, und wir geben nur selten etwas – meist nur, wenn jemand körperlich stark eingeschränkt ist.

Wie Bobong: Er bewegt sich auf einem Brett mit Rollen fort, da er nur einen Arm und ein verkürztes Bein besitzt. Früher bettelte er, heute hilft er als Parkplatzanweiser. Ein fröhlicher Mensch, der uns jedes Mal herzlich begrüsst. Diesmal erzählte er stolz, dass er im September 40 geworden ist. Wir haben ihm daraufhin ein kleines Geburtstagsküchlein geschenkt.

der schwarze Sandstrand vor unserem Homestay

Wir schreiben den Blog in Camiguin, wo wir unsere letzte Woche vor dem Rückflug in die Schweiz verbringen. Nach dem ersten Tag erreichte uns wieder ein tropisches Tief mit fast zwei Tage Regen, aber wir gingen trotzdem tauchen: unter Wasser war es angenehm warm und nur während der Stunde Oberflächen-Intervall und der Rückfahrt froren wir: Vorbereitung auf unser kühles Zuhause vielleicht.

Im Hintergrund der Vulkan Hibok Hibok, das Cottage und der Aussichtsturm des Homestays und Fischerboote

in diesem Paradies wohnen wir

Eine plötzliche Invasion von fliegenden Insekten liess die grossen Geckos auf den Boden und in den Regen laufen, zusammen mit einem Frosch

Der kleine Flughund sucht  jeweils Schutz unter dem Dach

Wer möchte, noch ein paar Eindrücke vom Tauchen: 
Regentauchgan

Diese Stiliger-Schnecke (3 mm) habe ich noch nicht so oft gesehen

giftig, aber völlig uninteressiert an Menschen

Sie heisst Mexichromis multituberculata und leuchtet schon von Weitem

sie versteckte sich unter einem Blatt

Eubranchus putnami leben auf Nesseltieren

Ca. 4 mm gross, schaut sie mich mit ihren zwei Punktaugen zwischen den Fühlern an. Sie ist noch eine unbenannte Costasiella, aber ich nenne sie Costasiella ukrainae

Sie war vielleicht 5 mm gross, vermutlich eine Atagema. Schaut euch die Struktur ihres Mantels an!

süsse flauschige Aegires

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